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Sameby heißt wörtlich „Sami-Dorf“ und übt nach dem Renntierhaltungsgesetz von 1971 eine Reihe von Funktionen im Finanz- und Verwaltungsbereich aus. In ganz Schweden gibt es 51 solcher Samebyar. Die in dem Prozess obsiegende Girjas Sameby liegt in einem Gebiet zwischen Kiruna im Norden und Gällivare im Süden. Der Oberste Gerichtshof betont, sein Urteil betreffe nur die Rechtsbeziehungen zwischen Girjas Sameby und dem schwedischen Staat, nicht jedoch Rechtsbeziehungen zwischen Girjas Sameby und sonstigen möglicherweise Betroffenen wie insbesondere in der Gegend ansässigen, aber nicht Girjas Sameby zugehörigen Sami.
Hofmann geht sodann auf die beiden wichtigsten Aspekte des Urteils ein, nämlich Jagd- und Fischereirecht aufgrund des (1) Rentierhaltungsgesetzes und (2) aufgrund von urminnes hävd (Rechtstitel beruhend auf Nutzung von Land seit unvordenklichen Zeiten). Er untersucht die unmittelbaren Folgen des Urteils, die möglichen künftigen Folgen und stellt abschließend fest: «Aufmerksamkeit verdienen auch einige obiter dicta des Obersten Gerichtshofs, die erhebliches Potential für seine künftige Rechtsprechung bergen. Dies gilt vor allem für die Feststellung, dass die der ILO Konvention 169 – obgleich Schweden diesen Vertrag nicht ratifiziert hat – und den Art. 26 UNDRIP [UN Declaration on the Rights of Indigenous Peoples (2007)] und Art. 27 ICCPR zugrundeliegenden Prinzipien als völkerrechtliches Gewohnheitsrecht angesehen und als solche in Schweden bei Fragen betreffend Landrechte indigener Völker angewendet werden können. Da der Gerichtshof zum Schluss kam, dass Girjas Sameby Inhaber des beanspruchten Rechts auf der Grundlage von urminnes hävd war, musste er nicht auf die Frage der Bedeutung dieser (völker)gewohnheitsrechtlichen Regeln für den vorliegenden Fall eingehen. Dies schließt natürlich keineswegs aus, dass dieser Ansatz in anderen Fällen, in denen es um Landrechte der Sami geht – erfolgreich oder nicht –, herangezogen werden kann.
Bei Überlegungen, ob Urteile nationaler Höchstgerichte Bedeutung über die jeweilige Rechtsordnung hinaus haben könnten, ist selbstverständlich ganz erhebliche Zurückhaltung geboten. Andererseits wäre es durchaus denkbar, dass dieses Urteil gewisse, nicht völlig unbeachtliche Auswirkungen auf die Rechtsentwicklung in den Nachbarstaaten Finnland und Norwegen haben könnte, wo es dem schwedischen Rechtsinstitut urminnes hävd ähnelnde Konzepte gibt. Es könnte aber auch sein, dass dieses Urteil aus Schweden, oder vielmehr sein ihm zu Grunde liegendes rationale, dass althergebrachte, traditionelle (Land)Rechte indigener Völker gegenüber modernen einfachgesetzlichen Bestimmungen Vorrang einzuräumen ist, einen gewichtigen Beitrag zur weltweiten Diskussion um die tatsächlichen Auswirkungen der Prinzipien leisten wird, die in der Erklärung der Vereinten Nationen von 2007 zu den Rechten indigener Völker enthalten sind.» (Seite 665)